In meiner Studienarbeit “Ethische Aspekte bei Weblogs” im Fach Informationsethik bei Prof. Dr. Rafael Capurro werden ethische Aspekte des neuen Massenmediums untersucht.
Die Arbeit wird in Kürze zur Verfügung gestellt. Hier zunächst ein kleines Summary:
Weblogs stellen ein ernstzunehmendes Phänomen im Internet dar. Die Anwendungsgebiete beschränken sich längst nicht mehr auf das Betreiben eines „Internet-Tagebuchs“ durch Privatpersonen, sondern erstrecken sich über vielfältige Themengebiete und Einsatzzwecke: Das politische Weblog zu Wahlkampfzwecken, das Weblog für eine aktuelle Naturkatastrophe, das Weblog zur Informationsethik oder das Weblog als Imageträger bei Firmen – fast kein Themengebiet ist nicht durch Weblogs abgedeckt.
Weblogs unterscheiden sich aus wissenschaftlicher Sicht vor allem hinsichtlich ihrer Dynamik von „herkömmlichen Websites“. Die starke Verflechtung untereinander sowie Weblog-Techniken wie RSS oder Trackback führen dazu, dass sich Informationen sehr schnell in der Blogosphäre ausbreiten können und verhelfen den Weblogs zu guten Platzierungen bei Suchmaschinen. Ein Aspekt den auch „Spammer“ erkannt haben, welche Weblogs gezielt nutzen um ihre Werbebotschaften in Form von Kommentaren zu verbreiten. Dieser „Blog-Spam“ ist aus technischer Sicht derzeit eines der größten Probleme und zwingt viele Betreiber die Kommentare erst nach Einsicht freizuschalten oder gänzlich auf eine Kommentar-Funktion zu verzichten.
Rechtliche Probleme ergeben sich vor allem durch das Verbreiten illegaler Inhalte oder urheberrechtlich geschützter Werke. Für Weblogs sind die selben gesetzlichen Vorgaben zu beachten, die auch für jede Art von Websites gelten. Für einige Fälle wie z.B. die durch Mitarbeiter-Weblogs ausgelösten Kündigungen existieren in vielen Ländern noch keine gesetzlichen Grundlagen, die Problematik wurde aber z.B. in der USA bereits erkannt.
Aus ethischer Sicht lässt sich feststellen, dass die durch Weblogs geförderte, freie Meinungsäußerung der Gesellschaft einen hohen Nutzen bieten kann. Weblogs wirken der Bedrohung, dass wenige globale Medienakteure die Inhalte und damit die öffentliche Meinung bestimmen, entgegen. Als Alternative zu den Mainstream-Medien ist dieses neue Massenmedium in der Lage schneller, unabhängiger, realistischer und wahrheitsgemäßer Informationen zu vermitteln.
Demgegenüber steht die Gefahr von Desinformation und der Verbreitung von bedenklichen Inhalten (z.B. Rassismus), da die veröffentlichten Beiträge meist keiner Kontrollinstanz unterliegen. Weblogs werden zu einem „Sprachrohr für alle“, welches jeder für seine Zwecke missbrauchen kann. Aufgrund der Masse an Informationen, die durch Weblogs verbreitet werden, besteht die Gefahr dass die relevanten und wichtigen Informationen nicht mehr von den unrelevanten und falschen zu unterscheiden sind. Ein weiterer ethischer Gesichtspunkt besteht in der Gefahr, dass Weblog-Betreiber, welche ihre freie Meinung äußern, zum „gläsernen Menschen“ avancieren und die freie Meinungsäußerung letztendlich zu Lasten der Privatheit geht. Dies ist natürlich nur dann der Fall, wenn die Inhalte Rückschlüsse auf den Autor zulassen. (z.B. durch Bilder, persönliche Angaben etc.)
Die entscheidende Frage lautet also: „Werden Weblogs der Gesellschaft eher schaden als nützen oder umgekehrt?“ Die Beantwortung dieser Frage ist eine Gratwanderung aus subjektivem Empfinden. Weblog-Gegner werden die durchaus vorhandenen Probleme in den Vordergrund stellen, während die Befürworter auf den Nutzen für die Gesellschaft hinweisen. In welche Richtung die Entwicklung geht lässt sich derzeit noch nicht voraussehen, da der Siegeszug des neuen Mediums noch längst nicht abgeschlossen ist und in einigen Ländern – wie Deutschland – das Potenzial erst langsam erkannt wurde.
Letztendlich ist jeder Blogger für sich und sein Verhalten selbst verantwortlich. Wer Weblogs für illegale Zwecke missbraucht, hat auch die Konsequenzen zu tragen. Wer private Details in einem Weblog veröffentlicht, muss sich bewusst sein, dass nicht nur das Zielpublikum mitliest und den Nutzen gegenüber den Risiken abwägen. Ein Hilfsmittel können hier Dienste zur Anonymisierung sein, welche die wahre Identität verschleiern und somit die Privatsphäre schützen. Auch wenn in einigen Ländern wie China die freie Meinungsäußerung durch Zensur unterbunden wird, muss versucht werden, dass jeder Mensch der sich unabhängig informieren und seine Meinung äußern möchte, die Möglichkeit hat auf dieses Medium zuzugreifen. Dies ist sicher nicht einfach, aber für die Vermeidung des „Digital Divide“ unerlässlich.
Wenn alle Personen die mit Weblogs in Kontakt kommen, es schaffen mit gesundem Menschenverstand zu handeln und sich an ethische Grundsätze halten, wird die Gesellschaft von diesem faszinierenden Medium enorm profitieren können.
[Komplette Arbeit folgt in Kürze]